Woher kommt die Kraft zur Veränderung?

Wenn wir beginnen, uns damit zu beschäftigen, wie die Welt funktioniert und wir in vielen Bereichen das Gefühl haben, dass sich die Dinge nicht zum Besseren bewegen, fragen wir uns oft einfach nur nach dem Warum. Warum sind die Menschen so gemein und unfair? Warum passiert mir das immer? Warum kapieren die das nicht? Viel seltener stellen wir uns die konkrete Frage, wie können wir das, was uns nicht gefällt, verändern?

Das tun wir vermutlich deshalb so selten, weil uns dann ein Gefühl der Ohnmacht überkommt. Wir wissen zu oft einfach nicht, wie wir, als einzelnes Individuum, die Dinge da draußen verändern können, obwohl sie uns stören. Das gibt uns das Gefühl klein und unfähig zu sein. So wollen wir uns natürlich nicht fühlen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit also wieder auf das, was sich da draußen gegen unseren Willen zeigt und können so unserem Unmut Luft machen. Nun ist unsere Energie aber bekanntlich dort, wo unsere Aufmerksamkeit ist und kann demzufolge in den Momenten, in denen wir uns mit dem problematischen Thema befassen, nicht bei uns selbst sein, obwohl wir sie so dringend benötigen würden. Gerade in den Momenten, in denen wir mehr Energie bräuchten, saugt uns also etwas die Energie einfach ab. Irgendwie nicht ideal. Die Frage ist nun, wollen wir das so stehen lassen oder wollen wir es hinterfragen? Ist es einfach der normale Lauf der Dinge und müssen wir uns damit abfinden oder haben wir die Möglichkeit das Blatt zu wenden? Wenn ja, wo fangen wir da an? Und vor allem, wollen wir das überhaupt? Also ich will es und ich bin neugierig, wie das Blatt von der anderen Seite aussieht. Ich lade euch daher gerne ein, mir in meinen Überlegungen zu folgen.

Wie betrachten wir die Realität?

Tatsache ist natürlich, dass es wichtig ist, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und wir Situationen und Entwicklungen, die uns nicht gut tun oder die wir für nicht richtig halten, auch aufzeigen. Wir müssen ja zuerst erkennen, was uns nicht passt, damit wir es überhaupt verändern können. Häufig tendieren wir aber dazu, das Thema nicht nur anzusehen und danach an einem Lösungsansatz zu arbeiten, sondern wir versinken quasi im Thema, identifizieren uns damit, spüren es so, als würde in dem Moment nichts Anderes mehr existieren. Damit wir nicht ganz alleine da stehen, teilen wir unsere Ängste und Zweifel mit unserem Umfeld, in dem sich normalerweise Menschen befinden, die ähnliche Vorstellungen, Wünsche und Ängste haben. Dadurch fühlen sie sich von unseren eigenen Ausführungen natürlich angesprochen und sind daher meist auf unserer Seite. Wir fühlen uns verstanden und bestärkt in unserer Wahrnehmung und schwupps sind wir so konzentriert auf ein bestimmtes Thema, dass wir ganz darauf vergessen, nach einer Lösung zu suchen. Die Bestätigung im Außen zeigt uns, dass wir mit unserer Unzufriedenheit tatsächlich richtig liegen und es kommt uns in dem Moment gar nicht in den Sinn, dass vielleicht währenddessen schon eine andere Gruppe von Menschen an einer Lösung arbeiten könnte. Wir sehen also immer nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten Wahrheit. Denn wir umgeben uns mit Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie wir, ähnliche Situationen erleben und sich über die gleichen Dinge freuen oder beschweren. Das ist ganz normal und auch grundsätzlich sehr schön. Insbesondere wenn es aber um aufreibende Entwicklungen und Ängste geht, kann sich dadurch ein Thema zu etwas sehr Großem aufschaukeln und ein wertfreier Blick wird dadurch kaum mehr möglich. 

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Wenn du bis hierher gelesen hast, gehe ich davon aus, dass dir diese Dynamik auch schon aufgefallen ist und du immer noch überzeugt bist, dass das Blatt auch eine zweite Seite hat. Wie schaffen wir es also, nicht im Beschwerde- und Angstmodus hängen zu bleiben, sondern tatsächlich eine Veränderung herbeizuführen?  Und was hat es tatsächlich mit dieser ganzen Aufmerksamkeitsenergie auf sich? Warum bekommen wir manche Gedanken nicht mehr aus dem Kopf und woher holen wir denn wirklich die Energie, die wir brauchen, um Dinge anzupacken?

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Wie wir die Realität betrachten und in welcher Ausprägung wir uns mit einem bestimmten Thema identifizieren, spielt dabei eine große Rolle. Macht uns etwas Angst, ist es natürlich um einiges schwieriger, distanziert und sachlich zu bleiben. Denn auch wenn etwas aktuell noch gar keine konkrete Auswirkung auf uns selbst hat, kann die Angst davor so real wirken, dass wir glauben, es sei bereits geschehen. Macht uns etwas wütend oder traurig, verhält es sich ganz ähnlich. Unabhängig davon, was es ist, die Chance ist groß, dass wir uns früher bereits einmal so gefühlt haben. Ein Gefühl, das einer Erfahrung zu Grunde liegt, mit der wir eine bestimmte Emotion verknüpft haben. Und diese wird immer wieder hervorgeholt, wenn etwas Ähnliches passiert. Es fällt uns dann sehr schwer, objektiv auf ein Thema zu schauen. Wie auch. Da wir uns aber nicht gefallen lassen wollen, was von außen auf uns einprasselt, schreien wir zumindest auf und versuchen, uns zu wehren. Wir gehen in Kampfposition. Unsere gesamte Aufmerksamkeit ist auf Abwehr gerichtet. So ähnlich wie in einem Streit, in dem wir alles rausschmettern, was sich über einen gewissen Zeitraum aufgetürmt hat. In dieser Phase sind wir nach außen fokussiert. Unsere Energie ist also im Außen und wir sind nicht in unserer Mitte. Wir sagen in diesen Momenten sogar oft Dinge, die uns im Nachhinein Leid tun. Wir kennen das auch als Redewendungen, zum Beispiel “jemand ist außer sich” oder “da war ich wohl nicht ganz bei mir”. Und auch wenn wir es grundsätzlich für richtig und wichtig halten, unsere Meinung zu sagen und uns zu wehren, spüren wir innerlich, dass es uns mitreißt und wir uns danach nicht besser fühlen, sondern aufgebracht und aus dem Gleichgewicht. Irgendwas in diesem Ablauf ist also nicht förderlich für uns und obendrein hat sich auch nichts verändert. Das Problem besteht weiterhin oder es kommt in einer anderen Situation in ähnlicher Form wieder daher, es scheint ein Kreislauf zu sein. Mühsam.

Wie betrachten wir uns selbst?

Diskutieren wir mit jemandem, der ähnlich aufbrausend bei einem Thema wird, steigern wir uns normalerweise immer mehr hinein. Anders ist es, wenn unser Gegenüber zwar diskutiert, aber Ruhe bewahrt, also seine Meinung äußert, sich aber nicht mitreißen lässt, und deine Meinung zulässt, aber trotzdem zur eigenen Aussage steht. Die Dynamik der Diskussion verändert sich, weil wir merken, wir können unsere Ideen teilen und werden dabei nicht als Person angegriffen. Es mag zwar sein, dass unser Diskussionspartner eine andere Ansicht hat, aber wir spüren trotzdem, dass wir den Fokus auf eine mögliche Lösung richten können, anstatt unsere gesamte Energie in die Abwehr zu stecken. Eventuell können wir in dieser sicheren Position sogar zulassen, den Standpunkt der anderen Person näher zu betrachten, vielleicht bekommen wir sogar Ansichten, die wir so bisher noch nicht kannten. Und vielleicht stellen wir uns insgeheim sogar die Frage, wie unser Gegenüber so eine derartige Ruhe bewahren kann. Vermutlich weil diese Person eine emotionale Distanz zur Sache hat und mit dem Herz beim Menschen bleibt. Leichter gesagt, als getan, aber da geht´s hin.

Nun gibt es aber Themen, die sich nicht so einfach in Gesprächen lösen lassen, weil sie uns oder unser Umfeld eher indirekt betreffen und bei denen wir uns meist ziemlich ohnmächtig fühlen, da sie unbewusste Ängste triggern. Auch hier können wir aber entscheiden, ob wir dem aufbrausenden Ich die ganze Bühne übergeben oder die Ruhe auch zu Wort kommen lassen. Wir können entscheiden, ob wir uns auf Schreckensszenarien fokussieren oder mögliche Lösungsansätze durchgehen. Wir können herausfinden, ob unsere Reaktion auf Wut, Angst oder Frustration gründet. Wir können nachforschen, ob diese Emotion in dieser Form zum ersten Mal auftritt oder in einer ähnlichen Situation bereits einmal zum Vorschein gekommen ist. Wir können uns in dem Moment fragen, will ich mich einfach nur aufregen oder will ich hier und heute eine Lösung finden? Ist es meine Aufgabe, die gesamte Situation zu lösen? Kann ich das überhaupt? Wenn ich nicht die gesamte Situation lösen kann, wo kann ich dann beginnen, etwas zu verändern?

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht auf dieser Welt.
– Mahatma Gandhi

 

Wie bleiben wir zentriert?

Wie schaffe ich es also, mich einem Thema objektiv zu nähern und mich so aufzustellen, dass mich nicht jede Andeutung darauf sofort auf 180 bringt? Ich glaube zum Einen funktioniert das über das Aufarbeiten von inneren (alten) Mustern. Wenn wir beobachten, an welchen Stellen unser innerer Alarm losgeht, können wir uns langsam und behutsam vorantasten und erforschen, wodurch er ausgelöst wurde. Im Idealfall suchen wir uns jemanden, der darin Übung hat und uns auf dieser Reise unterstützen kann. Zum Anderen können wir unser Faktenwissen prüfen.  Basiert unsere Angst oder Aggression auf einem tatsächlichen Erlebnis oder haben wir sie übernommen? Wie viel von dem, was wir glauben, haben wir tatsächlich selbst erfahren?  Können wir uns auf eine gesicherte wissenschaftliche Quelle stützen? Wie suchen wir unsere Quellen aus? Holen wir Informationen aus mehreren Richtungen ein oder reicht es, wenn ein aus unserer Sicht verlässlicher Mensch uns etwas erzählt oder eine uns bekannte Zeitung etwas abdruckt?  Wie viele von den Eindrücken, die wir täglich durch uns durchlassen und weitererzählen, haben wir wirklich selbst erlebt und welchen Ereignissen geben wir die meiste Aufmerksamkeit? Vertrauen wir unserer Intuition oder brauchen wir immer eine Bestätigung von außen?

Unser Weltbild setzt sich wahrscheinlich aus den Antworten auf diese und noch vielen weiteren Fragen zusammen. Wir können uns also zunächst bewusst machen, dass wir uns über die Jahre eine Sicht auf die Welt und die Gesellschaft angeeignet haben, die für uns stimmig ist und sich in vielen Fällen auch immer wieder bestätigt, weil wir uns immer in ähnlichen Umfeldern bewegen. Darüber hinaus haben wir jederzeit die Möglichkeit, für uns selbst zu prüfen, wie viel davon tatsächlich unserer eigenen Wahrnehmung entspricht und wie viel wir von außen übernommen haben, ohne es zu hinterfragen. Es gehört Mut dazu, in sich hineinzuhorchen und es gehört noch mehr Mut dazu, dieser inneren Stimme zu glauben. Und es gehört richtig viel Mut dazu, dieser Stimme zu vertrauen, auch dann wenn die gesellschaftliche Norm etwas anderes vorgibt.  Diese innere Stimme ist aber immer mit unserem Herzen verbunden und unser Herz hat Zugang zu unserer Seele. Es weiß einfach, was gut für uns ist. Es wertet nicht, es beurteilt nicht, weder uns selbst, noch andere. Unser Herz spricht ganz sanft mit uns. Läuft etwas nicht gut, sagt es uns, hey, schau’, das tut dir gerade weh. Ich lass’ dir die freie Wahl, reinzufühlen, wo dieser Schmerz herkommt. Wenn du dich lieber ablenken willst, ist das auch in Ordnung. Dann bekommst du einfach zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal die Gelegenheit, das Thema genauer anzuschauen. Das mache ich so lange, bis du bereit bist, dich näher damit zu befassen. Im Gegenteil dazu würde unser Verstand sagen, oh nein, schon wieder derselbe Schlamassel. Immer wieder passiert mir dasselbe und jedes Mal treffe ich auf die selben Typen von Menschen und ich weiß einfach nicht, warum mir das immer und immer wieder passiert. Häufig ist der Verstand unsere erste Reaktion, weil wir gar nicht gelernt haben, dass das Herz auch eine eigene Stimme hat. Wir kommen also gar nicht auf den Gedanken, ein Stück tiefer nach der Antwort zu suchen. Unsere Energie ist also recht einseitig gelagert und nicht im gesamten Körper zentriert. Wir spüren, dass die Gedanken im Kopf herumsausen, der Kopf ist schwer, vielleicht haben wir sogar Kopfschmerzen. Jedenfalls spüren wir in diesen Momenten wenig bis gar keine Verbindung zur Erde. Hilfreich kann es sein, täglich immer wieder mal bewusst in das Herz hineinzuatmen und einfach auch das physische Herz tatsächlich zu spüren. Hand aufs Herz – wie oft machen wir das wirklich?

Es gehört Mut dazu, in sich hineinzuhorchen und es gehört noch mehr Mut dazu, dieser inneren Stimme zu glauben. Und es gehört richtig viel Mut dazu, dieser Stimme zu vertrauen, auch dann wenn die gesellschaftliche Norm etwas anderes vorgibt.

Um den ganzen Körper mehr zu spüren, ist es außerdem fein, immer wieder mal die Aufmerksamkeit Richtung Fußsohlen zu lenken oder barfuß im Gras zu laufen. Wer regelmäßig Yoga macht, wird bereits so seine eigenen Methoden entwickelt haben, sich zu erden und den gesamten Körper in Balance zu bringen. Und hier hängt es natürlich sehr von unserem Naturell ab, ob wir lieber in der Gruppe sind oder für uns allein. Wie auch immer es sich besser anfühlt, auf alle Fälle schöpfen wir die meiste Kraft aus unserem Inneren, wenn wir uns im Gleichgewicht befinden. Und zwar nicht nur einmal pro Woche für eine Stunde. Das Gleichgewicht zu halten ist eine wiederkehrende Aufgabe, etwas, das wir nicht einfach einmal machen und dann bleibt es, sondern wir sind täglich gefordert, aktiv immer wieder in unsere Balance zurückzufinden. Je kleiner dabei unser Rucksack an altem Ballast ist, desto leichter tun wir uns dabei. Eigentlich logisch.

Wir können uns also entscheiden, wollen wir einen schweren Rucksack tragen und immer wieder neue Sachen draufpacken oder wollen wir den Rucksack regelmäßig ausräumen und nur das drinlassen, was wir wirklich brauchen? Ja, es mag im ersten Moment leichter sein, zu sagen, ich weiß nicht, was es bringen soll, wenn ich nur meinen eigenen Ballast aufarbeite, die Welt ist ja sowieso so, wie sie ist. Aber selbst im kleinen Umfeld, zum Beispiel in Freundschaften oder in der Familie, merken wir, wie positiv es sich auswirkt, wenn ein Mitglied ausgeglichen ist und vor allem, wie unruhig es uns macht, wenn jemand gerade aus dem Gleichgewicht ist. Warum sollte es in der Gesellschaft anders sein? Auch in der U-Bahn spüren wir eine unangenehme Energie, wenn alle missmutig dreinschauen und nehmen Erleichterung wahr, wenn wir in angenehmer Umgebung sind. Dazu kommt, dass es schwierig ist, jemandem vorzuschreiben, gefälligst glücklich oder liebevoll zu sein, wenn wir es selbst nicht sind. Natürlich kann es sein, dass dem Glücklichsein zunächst eine intensive Konfrontation mit Dingen vorhergeht und wir können auch nicht alles auf einmal lösen, aber jeden Tag ein klein wenig achtsamer mit uns umzugehen, ist ein wirklich guter Anfang. Wie tief wir dann tatsächlich reinschauen wollen, liegt natürlich in unserem eigenen Ermessen.

Sind wir bereit für neue Entwicklungen?

Die Kraft, die wir aus unserer Mitte schöpfen können, ist jedenfalls eine sehr zentrierte Kraft. Sie gibt uns die Möglichkeit, mit einem gewissen Abstand auf ein Thema zuzugehen, uns selbst wertzuschätzen und unserem Umfeld mit Respekt und Mitgefühl zu begegnen. Es ist nicht der einfachste Weg dorthin, aber einmal begonnen, erkennen wir plötzlich, die vielen kleinen und großen Segnungen, die uns in diesem neuen Raum begleiten. Und nach und nach fügen sich die Teile so zusammen, wie sie ursprünglich gemeint sind. Weil das Leben uns das Beste schenken will, wenn wir es nur lassen. Je zentrierter wir sind, desto eher können wir auch eine Öffnung nach allen Seiten zulassen. Wir können dann leichter erkennen, dass eine Gesellschaft, die sich ständig erneuert, auch immer wieder neue Entwicklungen braucht. Uns wird dann bewusst, dass es zunehmend mühsam ist, veränderte Zustände mit alten Maßstäben zu messen. Wir nehmen plötzlich wahr, wie viel Kraft uns tagtäglich durch die Natur umgibt. Wir lernen, wie wir uns mit dieser Kraft verbinden und spüren, dass die Wellen der Veränderung die einzige Konstante sind. Es geht in jedem Moment darum, wie wir ihnen begegnen.

Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern, heute bin ich weise und möchte mich selbst verändern.
– Rumi

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Was ich gerade gelesen oder gesehen habe:

Zeitungsbericht: Neues Sinnesorgan für den Kosmos. Der Standard, 1.Jänner 2019

Artikel: Gravitationswellen | Welt der Physik

Film: Surfing in Iceland under Northern Lights (den gesamten Film gibt es auf Netflix)

Buch: Christina – Zwillinge als Licht geboren | Bernadette Von Dreien

Video: Lee Harris Energy Update


Was ich gerade lese:

Buch: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? | Richard David Precht

Das Ändern denken

Wenn Sie so denken, wie Sie immer gedacht haben, werden Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben. Wenn Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben, werden Sie das bewirken, was Sie immer bewirkt haben.

Albert Einstein

Aktuell begegnet mir oft die Aussage: “Ich habe schon alles versucht, ich weiß nicht, was ich noch tun soll”. Wenn du etwas verändern möchtest, ist ein möglicher Anfang, die Aussage in eine Frage zu verwandeln: Ich habe schon alles versucht, was soll ich noch tun? Wer mich kennt, weiß, ich würde sogar vermutlich noch ein bisschen nachbohren:  “Alles” im Sinne von alles alles oder “alles” im Sinne von, alles, was dir aktuell bekannt ist? Hmm. “Sollen” im Sinne von “müssen” oder “sollen” im Sinne von “können” oder “dürfen”? Ja, das ist Wortklauberei. Aber das Ergebnis verändert die Dynamik der Frage und lässt ein paar mehr Türen für Lösungen offen. Also falls die Aussage nicht eine reine Beschwerde ist, sondern einen Wunsch nach Veränderung impliziert, hier ein neuer Formulierungsversuch: Ich habe alles, was ich mir derzeit vorstellen kann, versucht. Was kann ich noch tun, um dieses Problem zu lösen?

Jetzt kommen wir der Sache schon näher, was nicht unbedingt bedeutet, dass es jetzt einfach wird. Eher fängt es gerade erst an. Meistens stellen wir uns solche Fragen ja bei langwierigen Themen, die uns ziemlich zu schaffen machen und uns wirklich zur Verzweiflung bringen. Wir wollen also rausfinden, was du bisher noch nicht versucht hast. Du würdest wahrscheinlich so etwas sagen wie: “Wie jetzt? Ich habe dir doch gerade gesagt, dass ich schon alles getan habe!” Hmm, ja, ich weiß. Und ich verstehe das. Aber ich weiß einfach, dass es etwas gibt, was du noch nicht probiert hast, weil ich selbst auch schon oft vor dieser Frage gestanden bin. Jedes Mal habe ich geglaubt, alles gegeben zu haben und jedes Mal bin ich mir wieder auf etwas draufgekommen, was ich noch nicht in Erwägung gezogen hatte. Ich kann nicht für dich beantworten, was genau das für dich sein wird, aber ich kann dir ein paar Denkanstöße geben, die dir vielleicht helfen.

Ich sage es einfach gleich dazu, wenn du nach einer 0815-Lösung suchst, mit der morgen alles geklärt ist, wäre jetzt vermutlich der ideale Zeitpunkt, Netflix einzuschalten und die Zeit besser zu nützen, als das hier zu lesen. Ganz offen gesagt, an manchen Tagen ist das sogar die Lösung und zwar dann, wenn der Moment einfach nicht richtig ist, tiefer reinzuschauen. Also keine Panik, ich mache das auch immer wieder mal und sind wir ehrlich, wir können uns einfach nicht jeden Tag 24 Stunden lang damit beschäftigen, wie wir ein besserer Mensch werden oder wie wir unsere alten Wunden heilen.

Vielleicht ist aber jetzt gerade ein passender Zeitpunkt für dich, ein weiteres Puzzleteil zu finden.

Fühlst du dich, als würde dir ständig etwas fehlen? Vielleicht mangelt es deinem Körper tatsächlich an etwas, wie zum Beispiel Vitaminen oder Mineralstoffen? Das mag zwar nicht unbedingt mit dem Thema zusammenhängen, das du hast, aber es wirkt sich darauf aus, wie der Körper mit dem Thema umgeht, wie gut deine Nerven sind und wie rasch du dich erholst. Man sagt, der Bauch ist unser zweites Gehirn. Wie sieht es also mit deiner Darmflora aus?

Wartest du darauf, dass jemand anderer sich ändert? Wir können diesen Wunsch noch so oft aussprechen, aber jeder Mensch kann sich nur aus sich selbst heraus ändern. Ja, wir wollen es einfach haben und ja, dazu gehört auch, dass wir glauben, der andere muss sich bewegen, damit sich etwas bewegt. Jedes Mal, wenn ich in diese Falle getappt bin, wurde ich eines Besseren belehrt. Wenn ich also in dieses Muster gerate, versuche ich den Fokus von diesem Menschen abzuziehen, indem ich mich frage: “Was kann ich von dieser Situation lernen?”

Schimpfst du mit dir selbst? Mal ganz offen, wie oft machst du das? Wie oft sprichst du es laut aus und wie oft denkst du es? Pro Tag, pro Woche, pro Monat, pro Jahr…diese Dinge summieren sich und unser Gehirn merkt sich sowas richtig gut. Es ist wie auswändig lernen. Wir verstehen zwar nicht unbedingt, was wir da sagen, aber es ist in unserem Gehirn verankert und unser Unterbewusstsein reagiert darauf. Also überliste dich selbst und mach dich aufmerksam, wenn du zum Schimpfen ansetzt.

Vielleicht sagst du zu dir regelmäßig Sachen wie: Das ist alles zu viel. Ich schaffe das nie und nimmer. Das geht sich nie aus. Ich kann das nicht. Ich bin so im Stress. Ich habe es so satt.
Versuch es mal mit folgenden Formulierungen: Ich hab noch keine Ahnung wie, aber ich werde es schaffen! Noch habe ich die Lösung nicht, aber ich werde sie finden! Ich glaube daran, dass ich das Problem lösen kann. Ich finde einen Weg. Punkt.

Bist du traurig, weil du traurig bist? Also bemitleidest du dich selbst? Ja, auch das verstehe ich. Wir wollen uns nicht so fühlen und es ist einfach mehr als unangenehm. Wir merken in dieser Situation aber oft nicht, dass wir für den Kampf gegen das “sich so fühlen”, eine immense Kraft aufwenden. Vielleicht magst du dir einfach einmal selbst sagen, jetzt gerade in diesem Moment ist mir das alles zu viel und ich darf mich deswegen so fühlen. Uns das zu erlauben, ist manchmal eine ziemliche Erleichterung.

Hast du es mit positiven Affirmationen versucht und bist enttäuscht, weil sie nicht funktioniert haben? Schaue dir am besten noch einmal an, wie du an die Sache herangegangen bist. Hast du dir zum Beispiel einfach gesagt, “alles ist gut”, obwohl du genau wusstest, dass nichts gut ist? Da treffen zwei sehr gegensätzliche Informationen aufeinander und dreimal darfst du raten, welche stärker ist.

Denken wir uns durch die Änderung

Der Knackpunkt ist nämlich, dass wir jedes Mal, wenn wir das Beste annehmen wollen, sofort ein “ja, aber” parat haben und somit alles erdenklich Gute, sofort neutralisieren. Ich habe mich daher lange gefragt, was dieses “positive Geschwafel” soll, wenn in meinem Inneren sowieso alles rebelliert. Ich bin aber auch sehr neugierig und habe daher nachgelesen, nachgefragt, nachgelesen und wieder nachgefragt, ausprobiert und nachgelesen, dazwischen aufgegeben und war nahe der Verzweiflung, bin wieder aufgestanden und habe wieder ausprobiert und bin immer noch dabei, nachzufragen. Zusammenfassend kann ich sagen, ja es waren mehrere Runden, weil ich mich nicht so schnell auf etwas einlassen kann, weil ich schnell in alte Muster zurückkippe und eine richtig hohe Toleranzgrenze habe. Ich bin mittlerweile aber an einem Punkt, an dem ich tatsächlich sagen kann, für mich einen Weg gefunden zu haben, der mir jedes Mal weiterhilft, wenn es mich irgendwo schleudert.  Manchmal kann ich sehr schnell eingreifen, also innerhalb von 10 Minuten oder einer Stunde. Und bei richtig tiefsitzenden Themen kann das auch mal bis zu zwei Wochen dauern.

Was also habe ich verändert? Meine Perspektive. Ich springe nicht mehr sofort zum Ziel, sondern bewege mich über die aktuelle Situation schrittweise nach vorne. Ich glaube, damit wir etwas verändern können, tut es uns gut, wenn wir zuerst die Situation realistisch betrachten. Wir können uns dann kurz bewusst machen, dass wir zwei Möglichkeiten haben. Entweder uns einreden, dass alles ganz furchtbar ist oder zu sagen, ja, jetzt in diesem Moment ist alles ganz furchtbar, aber ich bin fest entschlossen, dafür eine Lösung zu finden.

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Was Albert Einstein, siehe Zitat oben, als Kausalkette formuliert, findet sich in ähnlicher Form bei Joseph Murphy wieder, der sich eingehend mit unserem Unterbewusstsein auseinandergesetzt hat. Kurz zusammengefasst, geht es in seinen Büchern darum, dass das, was wir uns täglich bewusst und unbewusst vorsagen, zu unserer Realität wird. Wenn wir realisieren, dass wir tatsächlich der einzige Denker in unserem Kopf sind, können wir diesbezüglich eine Menge bewegen oder aber eben auch stagnieren lassen. Häufig glauben wir, dass wir unsere Gedanken nicht beeinflussen können, aber wenn wir uns ein bisschen näher damit beschäftigen, wird uns schnell klar, dass da viele automatische Mechanismen am Werk sind, die wir in dem Moment zwar wirklich nicht bewusst steuern, die aber steuerbar sind, wenn wir das wollen.

Ich glaube aber, dass es mehr braucht, als alles nur ins Positive zu kehren. Wir müssen unser Ändern denken. Und zwar von Grund auf. Unser Gehirn ist nämlich ziemlich schnell und zugleich aber auch sehr träge. Alles, was wir jahrelang auf eine Art und Weise gemacht haben, setzt es blitzschnell um. Dazu gehören auch unsere Gedankenmuster, also auch wie wir uns und die Welt sehen. Sie laufen so automatisch ab, dass wir sie gar nicht wirklich bewusst wahrnehmen. Uns fällt das erst auf, wenn wir genau daran etwas ändern wollen. Diese Änderung braucht unseren vollen Einsatz. Es reicht nicht, wenn wir zwei Tage lang unsere Gedanken beobachten und am dritten Tag wieder auf alten Schienen fahren. Unser Verstand ist es einfach viel zu sehr gewöhnt, so zu denken, wie er immer gedacht hat.

In einer Welt, die sich ständig verändert, erkennen wir aber immer häufiger, dass manche alt eingelernten Verhaltensweisen nicht mehr so funktionieren, wie früher. Wir versuchen zwar, daran festzuhalten, aber oft stoßen wir dabei auf Widerstände, die uns ziemlich deutlich vor Augen führen, dass etwas nicht mehr zusammenpasst. Weil neue Entwicklungen, auch neue Lösungen brauchen. Wir können nun natürlich an den alten Strukturen festhalten und darum kämpfen, dass ja nichts Neues in unser Leben kommt, früher oder später werden wir aber feststellen, dass das ziemlich anstrengend ist und vor allem nicht funktioniert.

Ganz viel von dem, was wir ständig bei anderen Menschen oder sonst irgendwo außerhalb von uns selbst suchen, haben wir eigentlich bereits in uns. Nur wissen wir häufig nicht, wie wir es aktivieren. Es gibt mit Sicherheit mehrere verschiedene Wege und das ist auch gut so. Denn wir sind alle unterschiedlich. Was mir gut tut, trifft nicht unbedingt auf dich zu und umgekehrt. Deswegen ist es so wichtig, sich selbst wirklich gut zu kennen und sich Zeit zu nehmen, richtig in sich hineinzuhorchen. Nicht nur oberflächlich, sondern ganz ins Innerste. Oft haben wir um unsere innere Burg aber eine ziemlich dicke Mauer gebaut, durch die wir häufig selbst nicht mal ordentlich durchkommen. Je schmerzvoller das ist, was sicher dahinter verbirgt, desto dicker müssen diese Mauern sein, desto intensiver müssen wir uns abgrenzen. Uns selbst gegenüber, aber noch viel mehr allen anderen gegenüber. Zu gefährlich wäre es, wenn da jemand durchkommen könnte, der nicht behutsam mit dem Schmerz umgeht. Irgendwie glaubt unser Kopf zwar, dass wir uns auf diese Weise schützen können, aber um ehrlich zu sein, ich kenne niemanden, der mit dieser Strategie wirklich gut fährt. Bei jeder Gelegenheit fahren wir doch sofort unsere Kampfschilder hoch und haben panische Angst, jemand könnte irgendwo reinzwicken. Und trotzdem machen wir es seit Jahren so. Wenn es uns damit nicht gut geht, fangen wir früher oder später an, nachzuforschen, ob das wirklich so sein muss.

Bei sich selbst zu beginnen, kann sehr herausfordernd sein. Wir fühlen uns zwischendurch häufig wie kleine Kinder, die gerade einen Entwicklungsschub durchmachen. Aber wir erreichen immer wieder neue Etappen, neue Erkenntnisse und fühlen uns jedes Mal ein kleines bisschen freier. Und einmal die Freiheit erschnuppert, wollen wir einfach mehr davon und schwupps sind wir mitten drin in einem Prozess, der uns friedvoller und sanfter macht. Im Umgang mit uns selbst, aber auch in Bezug auf andere Menschen. Wovor wir uns vorher fürchteten, drängen wir dann nicht mehr weg, sondern wir schauen es uns an. Denn wir wissen, was wir uns vertraut machen, macht uns keine Angst mehr. Außerdem lernen wir nach und nach, auf unser inneres Gefühl zu hören und wir merken, dass wir mehr sind, als unsere automatischen Gedanken. Wir sind dadurch weniger manipulierbar und gehen nicht mehr in Resonanz mit Angstmache. Wer sich außerdem selbst gut kennt und mag, ist weniger angreifbar, weil sich der eigene Wert nicht über das Außen definiert. Diesen inneren Kern mit viel echter Liebe und Hingabe zu versorgen, führt über kurz oder lang dazu, dass wir auch mit unseren Mitmenschen liebevoller umgehen. Und dann realisieren wir, dass unser geändertes Denken unser Herz zum Strahlen gebracht hat.

Illustration
Nature. Shapes. Life.

Buchempfehlung:

Dan Millman: Der Pfad des friedvollen Kriegers. Das Buch, das Leben verändert.

Die Welt ist so geräumig

Die Welt ist so geräumig und der Kopf ist so beschränkt!

– Wilhelm Busch

Zum Glück haben wir auch Herz und Bauch. Die beiden sind unserem Innersten meist deutlich näher, weil sie sich nicht am Außen orientieren. Hören wir hin, wenn sie uns zuflüstern, was sich gut anfühlt? Oder schneidet unser Verstand sofort alles ab, weil es nicht mit dem übereinstimmt, was wir gelernt haben, für richtig zu halten? Oder weil wir Angst haben, jemand könnte etwas dagegen haben?

Wahre Herz- und Bauchgefühle sind immer echt und sie sind weder ausgrenzend, noch wertend. Vielleicht trauen wir uns manchmal einfach nicht, ihnen zuzuhören, weil sie so dermaßen weit sind, dass uns einfach die Orientierung fehlt. Das macht uns im ersten Moment einfach Angst. Kein Anhaltspunkt. Keine vertrauten Grenzen. Alles neu.

Aber alle neuen Entwicklungen sind genau so entstanden. Es hat sich einfach jemand getraut, hinter die vorherrschende Meinung zu schauen. Das ist ein Prozess. Keine Erfindung hat vom ersten Tag an einwandfrei funktioniert, aber um an Lösungen zu kommen, haben alle großen Erfinder über den Tellerrand geschaut. Vielleicht haben sie auch auf ihr Bauchgefühl vertraut, dass es da einen Weg gibt oder woher wussten sie, dass sie weitermachen sollten, auch wenn die Menschen rundherum nicht an sie geglaubt haben?

Wenn wir unserem Kopf ein paar neue Richtungen geben wollen, können wir ein bisschen üben, indem wir unsere Phantasie ankurbeln und uns wieder erinnern, was wir als Kinder gesehen haben, wenn wir die Wolken betrachtet haben.

In dem Sinne: Baumpoesie translated.

Baumpoesie Baumrinde Zeichnungen Baumpoesie Phantasie Illustration

Der Anfang vom Besten

Das Beste suchen - Illustration - Johanna Leitner

Das Gute schleicht sich manchmal so unauffällig in unser Leben, dass uns sogar jemand darauf aufmerksam machen muss, dass es da ist. Wie kann das sein?

Wir erwarten grundsätzlich eher ein großes Hurra, wenn es  daherkommt, so richtig mit allem Pipapo und Luftballonen und Feuerwerk und Halleluja. Natürlich kann es das auch. Und zwar richtig gut! Und weil uns diese grandiosen Auftritte so derartig gefallen, glauben wir logischerweise, dass es immer diesen glamourösen Weg wählt. Diese überdrübersuperduper Momente sind zwar häufig nicht unbedingt von Beständigkeit geprägt, aber das macht ja auch ihre Besonderheit aus. Sie sind so anders und so bezaubernd, dass wir uns in die höchsten Höhen fliegen lassen. So hoch, dass wir kaum Worte dafür finden und am liebsten ständig dort bleiben wollen. Also wir möchten, aber wir können nicht. Irgendwie ist unser System dafür (noch) nicht ausgelegt und früher oder später verlieren wir wieder an Höhe. Manchmal segeln wir einfach langsam nach unten, aber manchmal geht es rasend schnell. Wir fallen dann richtig tief und erfahren innerhalb kürzester Zeit die volle Bandbreite unseres Gefühlsspektrums. Das ist natürlich einerseits abwechslungsreich, ähnlich einer Achterbahnfahrt, andererseits auch sehr anstrengend. Aber wir sind eigentlich daran gewöhnt und wollen vor allem diese Höhenflüge nicht missen. Das müssen wir auch nicht. Und ich glaube, wir sind so konzipiert, dass wir das Beste und Schönste erleben dürfen und wir brauchen hin und wieder einfach auch diese Erlebnisse, die uns zeigen, dass wir diese überaus wundervollen Gefühle überhaupt in uns haben, nach außen zeigen und vor allem am ganzen Körper wahrnehmen können.

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Das Einzige, was uns im Alltag dann manchmal einen Strich durch die Rechnung machen kann, ist unsere Erwartung, dass das Gute immer mit diesem Trara kommt. Tatsächlich ist es aber oft viel subtiler, als wir glauben. Warum wir dann nicht zufriedener sind? Eventuell weil wir ständig auf die große Blumenparade warten und dabei das kleine Gänseblümchen am Wegesrand übersehen. Eventuell weil wir den 6er im Lotto haben wollen und den 4er dafür nicht schätzen können. Eventuell weil wir berühmt sein wollen und wir 20 Likes daher als Versagen werten. Eventuell weil das, was wir nicht haben, viel mehr Platz in unseren Gedanken einnimmt, als das, was wir haben.

Ich hätte heute demnach zwei gute Gründe gehabt, unzufrieden zu sein. Zwei Gründe, weil zwei Sachen sich nicht so entwickelt haben, wie ich mir das gewünscht hätte. Eine kleine Sache und eine (für mich) große Sache. Die große Sache hätte mich vor ein paar Jahren noch völlig aus der Bahn geworfen und vor ein paar Monaten zumindest zum Weinen gebracht. Über die kleine Sache hätte ich mich aufgeregt und geärgert, vielleicht hätte ich auch ein kleines “warum passiert mir das immer” hinzugefügt. Warum ist aber nicht eingetreten, was vor einiger Zeit noch normal gewesen wäre?

Weil ich vor einiger Zeit erkannt habe, dass der Schatten hinter mich fällt, wenn ich mich der Sonne zuwende. Was sich so einfach sagt, ist alles andere als das. Es ist eine aktive Entscheidung. Ein konkreter in mir gefestigter Wunsch, die Perspektive zu verändern. Und dieser Entscheidung geht ein längerer Prozess voraus. Eine Entwicklung, die alles von uns fordert, insbesondere das aktive Beobachten unserer Gedanken, dabei standhaft zu bleiben, Ausdauer zu zeigen, dankbar zu sein für das, was ist und währenddessen immer das Beste zu suchen. Unser Leben ist voller Herausforderungen. Immer und immer wieder stehen wir vor Veränderungen, ungemütlichen Situationen und es passieren schlimme Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen. Und wir können uns Hilfe suchen, wenn wir es allein nicht schaffen. Und natürlich werden wir auch dann immer noch gefordert sein, diese aktive Entscheidung zu treffen. Wenn wir nicht von Natur aus mit einer unbändigen Leichtigkeit gesegnet sind, wird uns das Leben zwischendurch immer wieder mal fragen, ob wir uns wirklich sicher sind mit unserem Perspektivenwechsel. Und das sind wir. Und zwar sowas von! Allein schon deswegen, weil wir irgendwann bewusst erkennen, dass jene Gedanken vehementer werden, denen wir zuhören. Ja, und plötzlich nehmen wir wahr, dass ein Gänseblümchen nie alleine kommt und genau das ist der Anfang vom Besten.

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Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

– Konfuzius

 

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How to Create Stability in an Off-Balance World – Jim Self

Sanft zu sich selbst sein, wenn es ungemütlich wird

An manchen Tagen können wir keinen klaren Gedanken fassen. Wir fühlen uns deprimiert, alleine, ungeliebt. Die ganze Welt scheint sich gegen uns zu verschwören und wir haben nicht einmal Kraft uns dagegen aufzulehnen. Unser Körper ist müde und der Geist träge. Positive Affirmationen verpuffen im Nichts. Ohne es tatsächlich genau zu wissen, wage ich jetzt einfach zu sagen, es geht uns allen dann und wann so.

Es sind dies oft die Tage, an denen wir etwas Vergangenes verarbeiten oder uns auf etwas Zukünftiges vorbereiten. Nur, das ist uns meist nicht bewusst. Stattdessen fragen wir uns, was gerade nicht stimmt und schrauben uns, ohne es zu wollen, immer tiefer in die Misere. Vielleicht haben wir sogar gerade eine gute Zeit hinter uns und wir fallen daher so richtig tief. Was für ein Schlamassl. Natürlich wollen wir uns nicht so fühlen und können auch nicht verstehen, wo die plötzliche Veränderung herkommt. Oder wir können es zwar kognitiv erfassen, immerhin wissen wir, dass unser Körper hin und wieder auch wirklich Ruhe benötigt, aber dieses ungemütliche Gefühl im Kopf macht uns trotzdem heftig zu schaffen. Und wenn es nicht mit einem speziellen Ereignis einhergeht, tun wir uns auch wirklich schwer es zu benennen. Wenn uns also jemand fragt, was los ist, können wir es daher meist nicht in Worte fassen. Es ist ok. Das von einem Freund zu hören, tut einfach nur gut. Mehr braucht es manchmal gar nicht.

Es ist unser Verstand, der immer für alles eine Erklärung möchte, alles einsortieren muss und Kategorien braucht. Unser Herz ist da anders gestrickt. Es braucht einfach ein bisschen Zuwendung und das Gefühl, so sein zu dürfen, ohne genau zu wissen warum. Selbst wenn wir gut mit unserem Herzen verbunden sind, kann es an solchen Tagen ziemlich mühsam sein. Wir sind nämlich gefordert, uns die Zuwendung in diesen Momenten selbst zu geben, weil entweder niemand sonst da ist oder weil wir sonst niemanden an uns heran lassen. Spüren wir die Verbindung zu unserem Herzen aber nicht, wird es an solchen Tagen richtig anstrengend. Wir können förmlich zusehen, wie unser Herz in der Versenkung verschwindet und der Blick auf ein dunkles Loch zurückbleibt. Wie also kommen wir dann durch den Tag oder durch die Woche?

Zunächst dürfen wir, denke ich, die Erwartung loslassen, dass wir immer gut drauf sein müssen. Diese Einsicht hilft ein bisschen. Eventuell schaffen wir es sogar, einen größeren Bezug herzustellen. Vielleicht haben wir uns in den vergangenen Tagen oder Wochen mit alten Themen befasst und unser System bearbeitet die Erkenntnisse und Erlebnisse gerade, so dass einfach keine Kapazität für einen normalen Alltag gegeben ist. Oder wir haben über die Maßen Schönes erfahren, so dass unser Innerstes einfach ein bisschen Zeit braucht, alles zu integrieren. Oder aber es gibt in uns drinnen etwas, das Beachtung braucht, etwas das wir gut abschotten können, wenn wir fit sind, das uns aber einholt, wenn wir müde sind und die Kraft nicht aufrecht erhalten können. Was es auch ist, unsere Intuition wird es wissen. Wenn Kopf und Herz eine Pause brauchen, ist sie trotzdem immer da. Und vielleicht hilft sie uns, über den Kopf zurück ins Herz zu kommen, indem wir zum Beispiel ein passendes Buch finden oder einen Artikel oder eine Dokumentation, die uns zum Nachdenken anregen und uns wieder sanfter zu uns selber werden lassen.

An diesen Tagen ist es auf jeden Fall wichtig, dass wir zuerst für uns selbst da sind. Für andere können wir dann oft nicht zur Verfügung stehen oder zumindest nicht in dem Ausmaß, wie sonst. Auch das ist ok und wichtig. Wer es anders herum versucht hat, wird bereits festgestellt haben, dass weder die Menschen in unserer Umgebung davon profitieren, noch wir selber. Je besser wir die Verbindung zu unserem Herzen in diesen Zeiten halten können, desto eher werden wir aber zumindest das Gefühl verspüren, den wichtigsten Menschen in unserer Umgebung Bescheid geben zu wollen. Manchmal reicht einfach ein bisschen Ruhe, allein sein, ausrasten. Wir können das dann in klaren Worten ausdrücken ohne Unterton, ohne Beschuldigung. Jemand, der selbst gut mit sich und seinem eigenen Herzen verbunden ist, wird uns verstehen und uns vielleicht sogar helfen können. Einfach indem er oder sie sagt – es ist ok, ich bin da, wenn du mich brauchst. Und jemand, der selbst gerade die Verbindung zu sich selbst sucht, wird eventuell anders damit umgehen. Aber das können wir dann verstehen und verzeihen, weil wir im Grunde bereits selbst gut mit uns verbunden sind. Klingt wie ein Kreislauf. Ist es auch.

The good news is that the moment you decide that what you know is more important than what you have been taught to believe, you will have shifted gears in your quest for abundance. Success comes from within, not from without.
― Ralph Waldo Emerson

Innovativ und voller Tatendrang

Kein Projekt ist ihm zu kompliziert, keine Planung zu langwierig und es gibt kaum eine Herausforderung, die er nicht annimmt. Michael ist die Motivation in Person. Gibt es ein Problem, ist er mit einer Idee zur Stelle. Er gehört zu jenen Menschen, die man anruft, wenn eine individuelle Lösung gebraucht wird.

Michael Müller Ingeniuerbüro für Maschinenbau Illustration Johanna Leitner

In seinem Ingenieurbüro für Maschinenbau wird gebaut, konstruiert, entwickelt und gestaltet. Und das mit Hingabe. Er berät und tüftelt, organisiert und konzipiert ausgeklügelte Projekte für große und kleine Kunden. Ein paar Minuten in seinem Büro und man merkt, dass er seine Arbeit richtig gerne macht. Es ist diese ganz wesenseigene Energie, die man spürt, wenn jemand vollständig in seinem Element ist. Wenn Arbeit nicht mehr primär als Job wahrgenommen wird, sondern als Teil des Lebens. Ich habe das Gefühl, Michael hat genau das umgesetzt. Denn er hat sein Büro im eigenen Haus integriert und kombiniert Familie und Beruf mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Er ist zwar auch viel unterwegs und arbeitet bei großen Projekten oft auch am Abend und an Wochenenden, aber es macht den Eindruck, als würde er dafür die restliche Zeit umso bewusster mit seinen Kindern und seiner Frau Daniela verbringen. Ich weiß natürlich, dass dies im Hintergrund mit viel Vorbereitung, guter Organisation und Kommunikation verbunden ist und auch deswegen so gut funktioniert, weil sich Daniela und Michael einfach wunderbar ergänzen und gegenseitig unterstützen. Ich bin fasziniert von der entspannten Haltung, die die beiden an den Tag legen und es macht den Eindruck, dass sie auch in bewegten Zeiten immer den Überblick bewahren. Wie machen sie das? Ich glaube, ihr Geheimnis ist, dass sie immer das Gespräch miteinander suchen, eine wundervolle Wertschätzung für die Aufgaben des anderen empfinden und diese auch ausdrücken können. Michaels Arbeit ist zwar präsent, aber er geht auch an die gemeinsamen Freizeit-Projekte mit mindestens genau so viel Begeisterung und Elan heran. Ich bekomme natürlich nicht nur eine Führung im Haus und im Büro, sondern auch im wunderbaren Garten, den sich die Familie mit einem Kater, drei Hühnern und zwei Enten teilt. Dass die Namen der Hühner mit „H“ beginnen und die Namen der Enten mit „E“ rundet das Thema Organisation bestens ab, ich bin zugegeben nur etwas irritiert, dass der Kater nicht Konstantin, sondern Moritz heißt. 🙂

Ganz unabhängig davon, wie wir unser Leben gestalten und in welchem Bereich wir arbeiten, immer wieder aufs Neue die Balance herzustellen, die man für sich und sein Umfeld braucht, ist für mich der Schlüssel zur Zufriedenheit. Ich glaube, wenn sich das Leben zu einem großen Ganzen verbindet und wir es schaffen, Beruf und Privat nicht in Konkurrenz zueinander zu stellen, fangen wir an, unser Dasein viel bewusster wahrzunehmen. Dazu gehört auch, Sinnhaftigkeit in dem zu sehen, was wir tun und uns verbunden zu fühlen mit dem eigenen Wissen und der eigenen Kraft. Natürlich sind wir trotzdem immer unter dem Einfluss der Energie, die uns umgibt, insbesondere wenn wir Familie haben, und als Mensch haben wir eine Bandbreite an Gefühlen in uns, die nicht versteckt werden wollen. Wichtig ist daher, sein eigenes Wesen gut genug zu kennen, um entsprechend auf die eigenen Bedürfnisse reagieren zu können. Das vermittelt uns Selbstermächtigung und bringt uns weg vom Gefühl der Fremdbestimmtheit. Aus meiner eigenen Erfahrung und aus den Gesprächen, die ich bisher geführt habe, weiß ich, dieser Zugang lässt uns sanfter mit uns selbst sein und als Resultat auch empathischer mit unserem Gegenüber, sowohl in der Arbeit, als auch in der Familie und mit Freunden. Und spätestens da wird für mich deutlich, dass alles untrennbar miteinander verwoben ist und sich gegenseitig beeinflusst. Es liegt an uns selbst, bereit zu sein, unser Element in diesem Kreislauf zu finden und es authentisch zu leben. Wie das für jeden am besten funktioniert ist natürlich ganz individuell. Denn jeder hat schließlich andere Prioritäten, andere Vorstellungen und Werte und je besser wir diese kennen, desto eigenmächtiger können wir unsere Zufriedenheit selbst gestalten.

Danke an alle, die, wie Michael, der Welt auf ihre ganz eigene Weise zeigen, dass nicht immer alles schwer gehen muss, dass wir eine ganze Menge bewegen können, indem wir aktiv und aufmerksam durch den Tag gehen und dabei ganz unaufgeregt einfach Freude am Tun haben.

Mehr Informationen zu seinem Ingenieurbüro gibt es hier: http://www.i-mm.at