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Wo das Glück wohnt

Wo das Glück wohnt - Illustration Johanna Leitner Wien

Wann hast du das letzte Mal durch ein Kaleidoskop geschaut? Ich empfehle dir, mache es öfter. Schönheit im Moment zerstört sich im nächsten Moment selbst, um neue Schönheit zu erschaffen. Ein Muster beeindruckender als das andere und trotzdem gleichwertig in seiner Präsenz. Wenn uns eine Anordnung besonders gut gefällt, wollen wir kaum weiterdrehen. Dieser Augenblick der Vergänglichkeit macht uns für den Bruchteil einer Sekunde melancholisch, wir wollen festhalten, an dem, was uns gefällt. Doch bevor wir länger darüber nachsinnen können, hat sich bereits eine neue Formation gebildet, die unsere gesamte Aufmerksamkeit in den Bann zieht.

Staunen und zulassen

Es kann sein, dass uns eine Zusammenstellung besonders anspricht, eine andere dafür weniger Anklang findet. Aber immer sind sie perfekt aufeinander abgestimmt, bilden ein in sich geschlossenes System, das uns staunen lässt. Wenn wir in unserem Leben zurückblicken, können wir manchmal etwas ganz Ähnliches beobachten. Wir sehen, wie ein Ereignis zum nächsten geführt hat. Wie ein Element in ein anderes überging. Wie uns eine Entscheidung zu bestimmten Menschen gebracht hat. Wie im Rückspiegel betrachtet, die Dinge irgendwie besser zueinanderpassen, als uns damals bewusst war. Wie selbst Situationen, die uns nicht gefallen haben, in denen wir uns falsch verhalten haben oder jemand uns gegenüber nicht das gemacht hat, was wir uns gewünscht hätten, irgendwie einen Sinn ergeben. Wie sie uns vielleicht dabei geholfen haben, das Leben, unsere Verhaltensweisen, unsere Einstellung oder die Welt zu hinterfragen.

Rückwärts und vorwärts

Ein Kaleidoskop lässt sich in beide Richtungen drehen. Nach links und nach rechts. Rückwärts und vorwärts. Was also wäre, wenn auch in unserem Leben zukünftig, die Dinge so perfekt ineinander und zueinander fallen, wie sie das in der Vergangenheit bereits getan haben? Was, wenn es in unserer eigenen Verantwortung liegt, wie lange wir bei einer Kombination verweilen? Mal angenommen, wir können aus irgendeinem Grund gerade nicht weiterdrehen, was, wenn es unsere eigene Entscheidung ist, ob wir uns dann in dieser Situation auf ein Element konzentrieren, das uns gerade nicht gefällt oder auf die unfassbar exakte Ordnung, in der es eingebettet ist?

Zeit ist relativ

Selbst zu entscheiden, worauf wir unseren Fokus richten, klingt sehr einfach. Ist es aber nicht. Denn diese Entscheidungsfreiheit sind wir noch nicht gewöhnt. Sind wir gerade in einer Situation, die uns nicht gefällt, fühlt es sich an, als würde die Zeit ewig dauern. Mathematisch gesehen, ist eine Stunde eine Stunde. Doch wenn wir auf etwas warten, dauert sie für uns länger. Dann können sich sogar zehn Minuten anfühlen, wie ein ganzer Tag. Warum ist das so? Und warum ist das Leben nicht so exakt, wie die Mathematik das vorgibt? Weil wir uns meist darauf konzentrieren, dass in dem Jetzt, in dem wir gerade sind, noch nicht das eingetreten ist, was wir uns für dieses Jetzt gewünscht hätten. So als würden wir in dem ganzen Kaleidoskop die ganze Zeit ein Steinchen ansehen, dass leider grün ist und nicht rot.

Wenn das Glück einziehen möchte

Wir wünschen uns meist nichts sehnlicher, als glücklich zu sein. Das ist oft unser oberstes Ziel und trotzdem fällt es uns extrem schwer, dorthin zu gelangen. Häufig definieren wir das Glück als ein Ziel, einen bestimmten Punkt, an dem alles besser ist. Weniger häufig sehen wir es als Prozess, als den Weg, den wir zurücklegen, während wir erkennen, dass es uns freisteht, ob wir uns auf das grüne Steinchen konzentrieren oder weiter schauen. Wenn das Glück einziehen möchte, gibt es um uns herum meist einen oder mehrere Impulsgeber, die uns darauf immer wieder hinweisen. Das sind oft Menschen, die in uns etwas Größeres wahrnehmen, als wir das selbst tun. Menschen, die erkennen, wer wir wirklich sind, obwohl wir das selbst noch nicht sehen oder zulassen können. Das können Menschen in unserer eigenen Umgebung sein oder auch Menschen, die Botschaften in die Welt schicken, die wir zu einem Zeitpunkt auffangen, an dem wir die Information gerade dringend brauchen. Welche Impulsgeber hast du?

Wo das Glück wohnt

Das Glück sucht nicht die Perfektion. Es möchte eingebettet sein, in das Auf und Ab des Lebens. In das Zusammenspiel der Kräfte. In das Wirken der Elemente. Häufig, wenn wir sagen, ich möchte glücklich sein, meinen wir vielleicht eher, ich möchte Freude empfinden. Doch das Glück sagt, du darfst auch manchmal traurig sein. Es wertet nicht. Es erkennt einfach an, was gerade ist. Und aus diesem Anerkennen entsteht der sanfte Fluss des Lebens, der uns immer weiterträgt. Daraus entwickelt sich Vertrauen. Daraus entwickelt sich Fokus. Daraus entwickelt sich Aktivität. Daraus entwickelt sich Freude. Dann erst spüren wir es, das Glück.

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