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Manchmal ist Stille mehr als jedes Wort

Ich habe den Juli der Liebe in all ihren Facetten gewidmet. Beruflich, privat, wo auch immer ich war und hinsah, versuchte ich noch bewusster aus ihrer Perspektive auf das Geschehene zu blicken. 

Vor zwei Tagen war ich bei der Verabschiedung eines lieben Menschen und obwohl es der traurigste Moment meiner Woche war, konnte ich selbst in dieser Trauer die Liebe spüren und mit Dankbarkeit auf die gemeinsame Zeit schauen. Es war im Herzen fühlbar, welchen Unterschied dieser eine Mensch für die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung gemacht hatte. So wie wir das alle tun und jeden Tag tun können. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Selbst wenn wir glauben, nichts Besonderes beizutragen, sind wir dennoch im Herzen verbunden und bringen einfach nur mit unserer Existenz unseren individuellen Ausdruck ins Leben, den es in dieser Form nur einmal gibt. Der Abdruck dieses Seins bleibt, auch wenn wir irgendwann die Energieform wechseln. In den Erinnerungen, Gedanken, Worten, Gefühlen aller, die uns kennen. 

Liebe in alle kleinen Winkelchen bringen

Natürlich fragen wir uns manchmal, warum müssen manche zu früh gehen, warum passiert dies, warum passiert das, warum gibt es so viel Leid, warum funktioniert manches nicht so, wie wir uns das wünschen, warum, weshalb, wieso. Meistens sind das berechtigte Fragen und in dem Moment, wo sie auftauchen, sind sie einfach auch mehr als verständlich. Unser Kopf mag es, linear zu denken und möchte daher auch die Antworten entsprechend strukturiert erhalten. Aber in den wenigsten Fällen finden wir sie auf diese Weise auch tatsächlich. Ich denke mir manchmal, vielleicht sind wir einfach hier, um in jedes kleine Winkelchen so viel Liebe zu bringen, wie es nur irgendwie möglich erscheint. Was, wenn das wirklich der Grund für unser Dasein wäre? Würden wir dann Fragen wie „warum passiert das?“ mit „damit ich meine Form der Liebe genau hier ins Leben bringen kann“ beantworten? Und wie würde sich das dann zeigen?

Ungleichgewicht zwischen materieller Dichte und neuer Struktur

Der Tod ist zunächst etwas, das wir mit Dunkelheit und Traurigkeit assoziieren, doch gleichzeitig ist er die Brücke zu etwas Neuem. Wenn ein Mensch in unserer Umgebung den Körper verlässt, machen wir uns automatisch Gedanken darüber, was danach kommt. Wir spüren, dass die Energie dieses Menschen nach wie vor präsent ist und trotzdem herrscht ein Ungleichgewicht zwischen unserer materiellen Dichte und seiner nicht mehr greifbaren Struktur. Die Veränderung ist nicht mehr rückgängig zu machen und trotzdem bleiben wir bei diesem Wunsch gedanklich häufig hängen. Wenn wir obige These noch einmal aufgreifen und es unsere Aufgabe wäre, so viel Liebe wie möglich ins Leben zu bringen, könnten wir dadurch dieses Ungleichgewicht vielleicht in Balance bringen? Wären wir dann eventuell bereit, die Liebe zu diesem Menschen über alles zu stellen und dadurch die unterschiedlichen Energieformen weniger wichtig zu nehmen? Würden wir dann mehr über unser Herz und unsere Seele kommunizieren und plötzlich merken, dass die Kommunikation möglich ist?

Bewusst liebevolle Entscheidungen treffen

Was bleibt, ist dennoch der Verlust des Menschen in seiner menschlichen Form. Wir lieben Berührungen und Gespräche mit einem Gegenüber, das uns in die Augen schaut. Und obwohl uns das so fehlt, wenn ein Mensch nicht mehr da ist, nehmen wir es oft als so selbstverständlich hin. Gerade mit engen Familienmitgliedern wissen wir diesen Kontakt oft nicht wahrhaftig zu schätzen. Stattdessen ärgern wir uns häufig über Kleinigkeiten oder sind genervt. Wenn wir aus der Perspektive der Liebe auf unsere Unterhaltungen schauen, zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Wir spüren förmlich, wie wir aus dem verzettelten Muster aussteigen und einfach ein neues Licht in das Miteinander bringen. Es ist eine Entscheidung das zu tun. Sie ist nicht immer einfach, wird aber einfacher, je weniger verstrickt wir mit unseren Dramen sind. Manchmal bringen wir dieses Licht auch einfach, indem wir still sind. Indem wir nicht groß erklären, warum sich etwas verändern soll, sondern die Veränderung einfach selbst leben.

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