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Leicht, leichter, am vielleichtesten

Kennst du diesen Wunsch, dass du es leicht haben möchtest? Du fragst dich, warum alles immer so komplex sein muss, warum bei dir die Dinge sich irgendwie nur ganz langsam fügen und du immer so hart für alles arbeiten musst? Und vor allem, warum sich alles ständig verändert und du dich nicht einfach konstant gut fühlen kannst?

Text und Illustration Johanna Leitner

Willkommen im energetischen Auf und Ab, in dem sich gerade sehr viele Menschen befinden. Wir gehen durch bewegte Zeiten. Jeder für sich, aber auch gemeinsam. Und das spüren wir. Es gibt Tage, da scheint die Negativität zu überwiegen, das Umfeld ist aggressiv, nervös, ungeduldig, Kinder weinen mehr, es gibt mehr Unfälle und die Menschen sind generell weniger gut konzentriert auf das Geschehen. Und du mitten drin. Du wirst mit dieser Welle einfach mitgeschwemmt und bevor du es merkst, schluckst du Wasser und ringst nach Luft. Du kämpfst und ärgerst dich, bist unzufrieden mit dir und der Welt. Das wiederholt sich so lange, bis du schwimmen lernst. Bis du lernst, wie du die Wellen nehmen musst. Bis du akzeptierst, am Meer gibt es einfach Wellen und dass sogar am ruhigsten See das Wasser schwappt, wenn der Liniendampfer vorbeifährt. Bis dir klar ist, nicht die Wellen sind das Problem, sondern wie du mit ihnen umgehst.

Und dann irgendwann kommt sogar der Punkt, an dem du erkennst, du kannst auch an Land gehen, dich im Sand ausruhen und von draußen aufs Wasser schauen. Hier ist es ruhig, hier ist es leicht. Hältst du diese Entspannung aus? Oder denkst du innerlich, wie habe ich verdient, dass es mir so gut geht? Ich muss doch für mein Wohlergehen hart arbeiten. Es kann doch nicht sein, dass es so einfach ist. Und irgendwie…hmm… langweilig, wenn da nix los ist. Und so suchst du dir die nächste Herausforderung. Vielleicht spürst du auch intuitiv, dass du noch wachsen möchtest, Erfahrungen machen willst, nicht nur Beobachter sein möchtest. Das ist alles in Ordnung. Und wie du sicher bereits gemerkt hast, an den Wellen des Lebens hast du dich weiterentwickelt. Jedes Mal ein kleines Stück.

Vielleicht doch noch eine Runde schwimmen

Die Entscheidung, dich wieder ins Getümmel zu stürzen, triffst du meist nicht bewusst. Es überrumpelt dich einfach. Aber wo du aktiv ansetzen kannst, ist, wie du dann durch diese Phase durchgehst. Du kannst dich selbst lieb haben, während du traurig bist. Du kannst dir selbst Raum geben, während du um dich schlägst. Du kannst dir Zeit geben, alte Energien durchzuspülen. Du kannst dir vornehmen, schwimmen, surfen oder segeln zu lernen. Ja, das alles kannst du. Aber machst du es auch? Erfahrungsgemäß reagieren wir genau anders herum. Wir wollen uns so nicht fühlen. Wir ärgern uns, gehen hart mit uns ins Gericht. Suggerieren uns, es nie zu schaffen, nie weiter zu kommen. Nie wieder glücklich zu sein. Wir glauben, auf ganzer Linie versagt zu haben, sind überzeugt, nie aus dem Schlamassel rauszukommen. Alle schmerzvollen Erinnerungen kommen hoch. Wir haben Mitleid mit uns selbst. Das Drama ist perfekt. Du nutzt dann diese Phase um noch einmal einzutauchen in den Schmerz, den du so gut kennst. Auch das ist in Ordnung. Die Schmerzen sind ja echt. Du hast sie tatsächlich so gefühlt und erlebt.

Das Leben wird dich aber immer wieder fragen, ob du bereit bist, weiterzugehen. Oft wird die innerliche Antwort „Nein” lauten. Auch das ist in Ordnung. Aber irgendwann wird der Punkt kommen, an dem du dich bewusst entscheidest, nach vorne zu schauen. Und dann wirst du die schmerzvollen Erinnerungen noch einmal erleben. Ihre ganze Wucht. Und es wird eine Instanz in dir geben, die weiß, das ist etwas Altes. Es will nur noch einmal gefühlt werden und durch den Körper nach außen transportiert werden. Kein Kampf mehr, kein Widerstand. Du bist die Ruhe im Sturm.

Vielleicht ist das alles wichtig

Das ist der Zeitpunkt, an dem sich möglicherweise ein Vakuum ausbreiten kann. Das Alte liegt zurück, das Neue ist noch nicht greifbar. Es ist eine Überbrückungszeit, die alles von dir fordert. Denn du bist es gewöhnt, dich an den bekannten Strukturen zu orientieren. Und diese sind nun mal sehr eng mit deinen alten Erfahrungen verknüpft. Hältst du das Vakuum aus und vertraust du, dass sich im Hintergrund die Fäden neu ordnen? Hast du Vorbereitungen getroffen für das Neue? Lädst du es ein?

Es ist so leicht, ins Alte zu kippen. Es ist in Ordnung. Lass dich von einem guten Freund umarmen. Wir sind keine Maschinen, die ausführen, was wir uns vorgenommen haben. Wir gehen mit der Zeit. Und die ist nun mal sehr aufgeladen. Du wirst bald erkennen, es ist gar nicht mehr das Alte, das so dramatisch ist. Es ist die Art und Weise, wie du dich beim Gedanken daran fühlst. Und du wirst merken, das, was du fühlst, ist wichtig. Du bist wichtig. Es darf alles da sein. Und ehe du es merkst, warst du so liebevoll mit dir selbst, dass dein Schmerz sich vor deiner ganzen Liebe verneigt.

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