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Von Bananen und Müsliriegeln oder wieso Durchhalten eine Frage der Perspektive ist

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Durchhalten hat viele Gesichter, aber mal ganz ehrlich – wenn du ans Durchhalten denkst, huscht dann nicht automatisch ein bisschen Schwere durch dein Gemüt? Irgendwas innen drinnen spricht dann mit dir und sagt, uff, das ist schwer, das dauert lang, da brauchst du viel Energie, wird nicht einfach, aber da musst du eben d-u-r-c-h-h-a-l-t-e-n.

Nun gut, das klingt alles sehr passiv, aber du könntest dir auch ganz bewusst vornehmen, einen Marathon zu laufen. Und obwohl du richtig intensiv darauf hintrainierst, wirst du wissen, auf diesen 42 Kilometern musst du durchhalten. Selbst erfahrene Läufer werden dir sagen, zwischen Kilometer 36 und 38 könnte es hart werden, stell dich darauf ein, durchzuhalten. Das in der Theorie zu wissen, hilft sehr. Du kannst dich darauf mental vorbereiten. Doch die mentale Stärke auch zu behalten, wenn du bereits 35 Kilometer gelaufen bist, schwere Beine oder vielleicht sogar irgendwo Schmerzen hast, ist wirklich leichter gesagt, als getan.

Bist du gut versorgt?

Im besten Fall hast du ein paar liebe Menschen strategisch gut auf der Strecke positioniert, die dir dann zur richtigen Zeit ein paar aufmunternde Worte zuwerfen und dich eventuell mit Getränken, vielleicht sogar einer Banane oder einem Müsliriegel versorgen. Noch besser sogar, wenn sich jemand bereit erklärt, ein paar Meter mit dir mitzulaufen, um wieder in Schwung zu kommen und dich daran zu erinnern, dass du dir vorgenommen hast, es zu schaffen. Jemand, der dir aber gleichzeitig auch liebevoll sagt, dass es völlig in Ordnung ist, ein paar Schritte zu gehen oder einfach ganz aufzuhören. Aufhören? Kommt nicht in Frage, wirst du vielleicht denken, was ich angefangen habe, halte ich durch. Punkt. Ok.

Kennst du deinen Grund?

An diesem Punkt ist es ganz wichtig, dass du noch einmal kurz Luft holst und dich fragst, wie wichtig genau dieser Marathon für dich ist. Es kann sein, dass er sehr wichtig ist und du in dir ganz deutlich spürst, dass er dich an ein Ziel bringt, das weit über diese Distanz hinausgeht. In diesem Fall wird es für dich möglich sein, deine Kraftreserven zu mobilisieren. Es kann aber auch sein, dass du feststellst, dass du diesen Marathon gar nicht für dich läufst, sondern vielleicht für jemand anderen oder um etwas zu beweisen. Vielleicht wird dir in dem Moment auch bewusst, dass du eigentlich gar kein Langstreckenläufer bist, sondern viel lieber schneller, dafür kürzer und öfter läufst. Alles ist möglich. Wichtig ist einfach nur, zu wissen, warum du durchhältst.

Weißt du, was alles möglich ist?

Nicht immer nehmen wir uns unseren Marathon selbst vor. Manchmal werden wir einfach reingeschubst und merken erst nach ein paar Kilometern, was da los ist. Wenn du schon einmal bei einem richtig großen Marathon warst, wirst du wissen, wie es ist, zwischen Tausenden von Menschen zu stehen, die sich beim Startschuss alle langsam in Bewegung setzen. Du kannst gar nicht anders, als Schritt für Schritt in dieselbe Richtung zu gehen. Es macht aber einen Unterschied, ob du mittendrin bist oder dich eher am Rand aufhältst. Am Rand könntest du rein theoretisch auch einen Schritt zur Seite machen und die Masse an dir vorbeiziehen lassen. Alles ist möglich.

Von wievielen Seiten hast du es bereits betrachtet?

Wir beschäftigen uns im August in der Xing-Gruppe Work-Life-Sense mit dem Thema Durchhalten und beleuchten es aus verschiedenen Richtungen. Schreib uns gerne, wie es dir damit geht. Die aktuelle Zeit erleben wir alle gerade ein bisschen unterschiedlich. Für manche bedeutet Durchhalten jetzt mehr zu arbeiten als je zuvor. Für manche bedeutet Durchhalten, derzeit finanziell durchzuhalten, ohne zu wissen, wann der nächste Job kommt. Für manche bedeutet Durchhalten, mental stark zu bleiben in einer sehr herausfordernden Situation.

Ich wünsche euch viel Kraft für eure persönlichen Durchhaltestrecken. Als Inspiration noch ein Gedanke zum Wochenende: Manchmal läuft man auch einen Marathon, um die Stimmung auf der Strecke einzufangen, die Energie zu spüren und eine Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Das Ziel ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Von dieser Warte aus betrachtet, hältst du zwar ebenfalls durch, du wirst es aber nicht so nennen oder zumindest keine Schwere dabei empfinden. Es ist entscheidend, wie du auf die Situation schaust.